Gonzalo Julio Gonzales Ponseca Rubalcaba (* 27. Mai 1963 in Havanna) ist ein kubanischer Jazz-Pianist. Neben Cuban-Jazz-Rock Projekten pflegt er das klassische Klaviertrio.

Leben

Rubalcaba stammt aus einer musikalischen Familie und ist der Sohn des Pianisten Guillermo Rubalcaba und Enkel des Komponisten Jacobao Gonzales Rubalcaba. Er begann zunächst mit dem Schlagzeugspiel und trat bereits als Fünfjähriger auf. Zwischen 1971 und 1983 unterzog er sich einer klassischen Musikausbildung. Er studierte Perkussion, Klavier und Komposition am Konservatorium und anschließend am Havana Institute of Fine Arts (Abschluss in Komposition 1983). Neben der europäischen Konzertmusik beeinflusste ihn auch die populäre kubanische Musik, in der es Möglichkeiten gab, zu improvisieren und damit seine eigenen musikalischen Ideen einfließen zu lassen. Das erste Mal verreiste Rubalcaba außerhalb Kubas 1980 – mit 17 Jahren – nach Panama und Kolumbien; dann tourte er 1983 mit der berühmten Salsakapelle Orquesta Aragon nach Afrika und Paris. Dizzy Gillespie war der erste nordamerikanische Musiker, zu dem er Kontakt hatte. Als dieser 1985 zum Jazzfestival nach Havanna kam, hatte Rubalcaba Gelegenheit, sehr eng mit ihm zusammenzuarbeiten. Gonzalo heiratete im November 1986. Er und seine Frau Maria zogen 1990 nach Santo Domingo in der Dominikanischen Republik (seit 1996 leben sie in Florida und haben inzwischen drei Kinder von 8, 12 und 14 Jahren). In den USA konnte er erstmals 1993 nach der Fürsprache von Wynton Marsalis und der Witwe Gillespies auftreten.

Werk

Bereits während seines Studiums spielte er mit Frank EmilioChucho ValdesPaquito D’Rivera und Arturo Sandoval. 1985 stellte er seine eigeneGrupo Projecto auf dem North Sea Jazz Festival und dem JazzFest Berlinvor, mit der er an einer Fusion aus Jazzrock, Bop und dem kubanischen Son arbeitete. Seine ersten Aufnahmen machte er in den Egrem-Studios in Havanna Anfang bis Mitte der 80er Jahre (u. a. „Inicio“ – ein Solopiano-Album und „Concierto Negro“). Anfang 1986 veröffentlichte drei Alben auf dem Frankfurter Label „Messidor“ mit seinem Cuban Quartett: „Mi Gran Pasion“, „Live in Havana“, und „Giraldilla“. Diese Aufnahmen zeigen sein Temperament, seine Virtuosität und, dass er zu diesem Zeitpunkt schon vom Jazz beeinflusst war. Die Jazz-Elemente waren damals zwar Teil seiner Musik, doch arbeitete er noch mehr mit Perkussion, Rhythmik – Elementen der afrokubanischen Tradition. 1986 überzeugte Gonzalo Rubalcaba mit seinem Auftritt auf dem Havanna Jazz Festival. Er trat in einem Trio mit Charlie Haden und Paul Motian auf. 1989 holte ihn Charlie Haden zum Jazz Festival Montreal, um wieder in diesem Trio zu spielen. Die Aufnahmen wurden erst 1997 unter dem Titel „The Montréal Tapes: Charlie Haden with Gonzalo Rubalcaba & Paul Motian“ veröffentlicht. Ein späterer Mitschnitt des Trios vom 1990er Jazz Festival Montreux erschien 1991 als „Discovery“. Das zunächst veröffentlichte Studio-Album „The Blessing“ (mit Haden und Jack DeJohnette zeigt bereits den Jazz-Pianisten Gonzalo Rubalcaba. 1992 nahm er mit seiner neuformierten Band Proyecto Latino seine „Suite 4 Y 20“ auf. Im Laufe der nächsten Jahre folgten immer neue Platten wie eine Hommage an Dizzy Gillespie („Diz“) oder die gewaltige Latin-Jazz-Suite „Antiguo“, auf der er die Summe seines bisherigen Spiels und all seiner Einflüsse zog. Auffallend immer wieder seine bestechende, dabei aber wie selbstverständlich wirkende, Virtuosität. Bei genauerem Hinhören fallen aber auch große Besonderheiten in der Melodik auf, einer Melodik, die zwischen den Stilen hin und her springt – beginnend in der Sprache des modernen Jazzs, dann nahtlos in klassische oder kubanische Formen übergeht, als mache der Pianist zwischen ihnen keinen Unterschied. Mit „Inner Voyage“ leistete sich Gonzalo Rubalcaba eine Reise nach innen, forschte nach den Nuancen. In „Nocturne“ – ebenfalls einem sehr intimen Album, nahmen Charlie Haden und Rubalcaba 2002 kubanische und mexikanische Boleros auf – für Rubalcaba eine Art Tribut an die ältere Generation Kubas. 2001 tourte er mit vier verschiedenen Formationen u. a. im Duo mit Chick Corea, 2002 lotete er die Möglichkeiten der Triobesetzung aus im sehr kontrastreichen „Supernova”. Das Album „Paseo“ knüpft nun wieder an seine elektrischeren Fusionausflüge von „Antiguo“ an – Latin-Fusion, improvisierter Modern Jazz, Rückkehr zu den kubanischen Wurzeln.

Stil

Trotz seiner großen Bandbreite gilt Gonzalo Rubalcaba aber heute eindeutig als Jazzpianist. Aufgrund seines afrokubanischen Backgrounds und seiner früheren Percussion-Ausbildung spielt die Rhythmik in seinem Spiel eine wichtige Rolle. Er selbst sieht das Piano auch „als Teil der Percussion-Familie“. Ungeheuren rhythmischen, melodischen und harmonischen Einfallsreichtum zeigte er auch in „The Trio“ mit Brian Bromberg undDennis Chambers, indem er Jazzstandards ‚zerlegt’ und als völlig neue sehr eigene Stücke wieder zusammenbaut.

Diskografie (Auswahl)

  • Live in Havana (1987)
  • Mi Gran Pasion (1989)
  • Giraldilla (1990)
  • Discovery – Live At Montreux (1991)
  • The Blessing (1991)
  • Images – Live At Mt. Fuji Jazz Festival (1991, August 24th & 25th)
  • Diz (1994)
  • The Trio (1997)
  • Flying Colors (1998)
  • Antiguo (1998)
  • Inner Voyage (1999)
  • Supernova (2001)
  • Nocturne (2002)
  • Land Of The Sun (2004)
  • Paseo (2004)
  • Solo (2006)
  • Avatar (2008)
  • Fé (2010)

Der Stern des aus Kuba stammenden Pianisten, Komponisten und Bandleaders Gonzalo Rubalcaba strahlt heute heller denn je, und sein neues Album “Supernova” dürfte die Strahlkraft nur noch weiter erhöhen. Denn auf seiner nunmehr siebten Einspielung für Blue Note läuft der in Havanna geborene, 47  jährige Virtuose wieder einmal zur Hochform auf – mit unvergleichlicher Technik, weit ausholender Imagination und den besten Zutaten aus Jazz und kubanischer Musik.

Rubalcaba vermengt verschiedene Kulturen nicht etwa, weil es gerade im Trend liegt, sondern weil er seit seiner frühen Kindheit wie selbstverständlich mit ihnen konfrontiert wurde. Im Elternhaus zählte es zum guten Ton, sich aus kubanischer Perspektive mit amerikanischen, europäischen, russischen und spanischen Traditionen zu befassen. Hinzu kommt seine nicht unbedeutsame musikalische Ahnenfolge: Rubalcabas Vater etablierte mit anderen Musikern den Cha-Cha-Cha und leitet bis heute die renommierte Formation Charanga Rubalcaba, sein Großvater komponierte die bis heute gern gespielte Prozessionshymne “El Cadete”, deren Thema der Enkel nun zitiert und neu interpretiert.

Er ist einer der Musiker, die in den 90er Jahren viel dazu beigetragen haben, dass die Afro-Kubanische Tanz-Szene aufleben konnte. Rubalcaba ist ein talentierter Pianist, der es schafft, die vorteilhaftesten Elemente derkubanischen Musik mit traditionellem Jazz zu mischen und daraus eine neue Einheit zu schaffen.1963 wurde er in eine Familie von Musikern hinein geboren und begann im Alter von acht Jahren, Klavierspielen zu lernen. Die nächsten zwölf Jahre verbrachte er damit, seine Fähigkeiten an diesem Instrument auszubauen und seine Technik zu verfeinern. In dieser Zeit hatte er Auftritte in Nachtclubs und Bars in Havanna.

1985 entdeckte ihn Dizzy Gillespie und schon 1986 überzeugt er mit seinem Auftritt auf dem Havanna Jazz Festival. Er trat in einem Trio auf, in dem auch die Nordamerikaner Charlie Haden und Paul Motian waren. Sie überredeten ihn, auch bei den Jazz Festivals in Montreaux und Montreal aufzutreten und kümmerten sich um seine erste Aufnahmen beim Label Blue Note. Mit dieser Aufnahme erreichte er auch das US-Amerikanische Publikum. Mitte der 90er Jahre verließ er Kuba, ging aber, anders als die meisten seiner Landsleute, nicht nach Amerika.