Perfekte Partner: Al Di Meola und Gonzalo Rubalcaba

München – Das hatten sie nicht abgesprochen: Im Partnerlook jeweils mit schwarzem Glitzerhemd und Jeans kamen Al Di Meola und Gonzalo Rubalcaba auf die Bühne des Prinzregententheaters. ‘Zu dunkel’ befand Di Meola, griff in der Pause zum weißen Hemd und konnte sich die Anspielung auf den alten Stevie Wonder/Paul McCartney-Hit ‘Ebony and Ivory’ nicht verkneifen. Überraschend für Di Meola wie fürs Publikum: Rubalcaba kannte den Song überhaupt nicht. Und gleich danach, bei den Solo-Teilen, wurden noch ganz andere ästhetische Unterschiede deutlich.

Rubalcaba gab da gewissermaßen den Eric Satie des 21. Jahrhunderts. Die drei Stücke, die er spielte, waren moderne Klassik, von Jazz und Blues nur leicht gestreifte Variationen eines globalisierten Neoimpressionismus, eine sehr chromatische und in verminderte Akkorde verliebte Klavierartistik. Rubalcaba ist eben der heitere, stets geschmackvolle Musikwissenschaftler unter den Jazzpianisten, in seiner Stiloffenheit, ja -abwendung ein Vorreiter der jüngsten Generation. Di Meola wiederum griff zu seinem aktuellen Programm mit Beatles-Interpretationen. Die gehören zum Besten, was er seit Langem gemacht hat, bleiben aber typische Al-Di-Meola-Vehikel: fusiongetränkte und synthezisergesättigte Eskapaden, stets rekordsüchtig.

Zwei denkbar verschiedene Ausgangspunkte und Philosophien also, die sich aber – das hatte man gleich zu Anfang des Konzerts erleben können – ideal ergänzen. Selbst wenn es zwischendurch mal etwas ziellos wirken konnte, dieses muntere Changieren zwischen spanischer Folklore und Kunstmusik, zwischen Rock und Bop, zwischen klassisch Angehauchtem und kubanischem Son, die beiden trafen sich stets in der Rhythmik.

Trotz ihrer Vorliebe fürs Virtuose und alle Stile Verschlingende sind die beiden nämlich in erster Linie Rhythmiker, was hier in einem alles beiseite fegenden Parforceritt mündete. Partner in Perfektion, egal mit welchem Look.

Oliver Hochkeppel

SZ vom 21.10.2013