Die Magie der Langsamkeit: Haden und Rubalcaba

 

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Die beiden Musiker traten dort im März 2005 an mehreren Abenden auf. Erst jetzt, zehn Jahre nach den Konzerten und knapp ein Jahr nach dem Tod von Haden, wurden die Mitschnitte veröffentlicht.

Mit Hingabe flechten Haden und Rubalcaba unzertrennbare, aber klare Linien ineinander. Emotionen werden geweckt. Zeit spielt keine Rolle. Würde man nicht hier und da Geschirr klappern hören, könnte man meinen, man säße allein mit beiden im Wohnzimmer. So innig und wohlig klingt ihr Musizieren.

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«Charlie kämpfte 2005 mit einer Lungenentzündung, bestand aber trotzdem darauf, nach Japan zu reisen, um dort Konzerte mit Gonzalo zu geben», sagte Hadens Frau Ruth dem Plattenlabel. «Gonzalo ist Teil unserer Familie und Charlie wollte unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen, noch einmal mit ihm im Duo aufzutreten und Musik in diesem intimen Rahmen zu spielen, den er immer so geliebt hat.»

Kennengelernt hatten sich Charlie Haden und Gonzalo Rubalcaba vor fast 30 Jahren auf Kuba. «Charlie kam auf mich zu und sprach mich an», erinnert sich Rubalcaba. «Wir müssen miteinander spielen. Wie können wir das machen?» Der Pianist buchte für den nächsten Tag ein Aufnahmestudio. Es war eine fruchtbare Session, aus der eine jahrelange Zusammenarbeit wurde. Auf insgesamt sieben Alben spielten die beiden in den Folgejahren zusammen. «Discovery – Live At Montreux» (1990), «The Blessing» (1991), «Suite 4 Y 20» (1992), «Imagine» (1994), «The Montréal Tapes» (1997), «Nocturne» (2001) und «Land Of The Sun» (2004).

Damals in Tokio wussten die beiden Musiker Haden und Rubalcaba ganz genau, wie man Melodien innovativ platzieren muss, ohne dabei ins Exzentrische abzuschweifen. Alle Songs auf der Scheibe hatte Haden zwar schon einmal auf anderen Alben eingespielt, zusammen mit dem Kubaner konnte er sie 2005 aber noch einmal neu erfinden.

«My Love And I», «You Belong To My Heart» oder «En La Orilla Del Mundo» – sie klingen allesamt erfrischend neu. Und diese Ruhe. Letztendlich wirkt die Musik auf «Tokyo Adagio» wie eine ungewöhnlich Andacht. Eine, bei der man sich im Alltag für eine knappe Stunde einfach mal fabelhaft ausbremsen lässt.